Woher stammt die Redewendung »beleidigte Leberwurst«?

Fehlt es dem lieben Gatten mal wieder an Humor, wenn sie ihm das Auto mit einer lächerlich kleinen Beule im Lack zurückbringt? Überreagiert die Dame des Hauses, wenn er ihr nahelegt, die mehrstündige Blockade des Badezimmers zu beenden? »Jetzt spiel doch nicht die beleidigte Leber­wurst«, lautet dann oft die Replik.
Aber was heißt das überhaupt? Gibt es Ähnlichkeiten beleidigter Personen mit Leber­würsten? Erinnert eine ausgequetschte Leberwurst womöglich an eine verdrießlich dreinschauende Person? Könnte sein, aber Jens Böger, Experte für mittelalterliches Brauchtum, hat eine viel plausiblere Er­klärung für das seltsame Sprichwort.
»Im Mittelalter galt die Leber als Sitz der Ge­fühle«, sagt der Mann, der auf Mittelaltermärkten gerne den »Knochenbrecher« mimt, eine Art Chiro­praktiker. Vor allem für negative Gefühle wie Wut und Zorn habe man damals das schwarze Organ verantwortlich gemacht. Wenn sich also jemand ärgerte, dann hatte er eine beleidigte Leber. Gern begrüßt man ja auch ungehaltene Mitmenschen mit den Worten: »Ist dir etwa eine Laus über die Leber gelaufen?« Die »Wurst« könnte dazugekommen sein, um den Ausspruch zu personalisieren, der Leber also einen Träger zuzuordnen.
Eine andere Erklärung bemüht eine alte Er­zählung aus Sachsen. Darin nimmt ein Metzger die im Kessel kochenden Würste eine nach der anderen heraus. Nur die Leberwurst bleibt allein und ist deshalb beleidigt. So lange, bis sie vor Wut platzt.  ■
Text: Mirko Heinemann

Und welche Fragen haben Sie? Schreiben Sie an: redaktion@dasmagazin.de

Dieser Text erschien in DAS MAGAZIN 2/2010.

Passwort aendern
Bitte Deine Email-Adresse eingeben. Ein neues Passwort wird Dir per Email zugeschickt.