Ratschläge (Heft 10/2012)

Als ich mal in einem Markt mit hochwertigen Produk­ten an der Kasse stand und dort fast vor Langeweile zu Staub verschimmelt wäre, kam ein Kind im kindertypischen Hoppel-und-Hüpf-Kom­bi­na­tionsschritt an mir vorbei genachwuchst, da riet der Vater seinem Kind …
Ich merke gerade, dass ich für diese Geschich­te noch etwas weiter ausholen muss. Was ich mit Markt für hochwertige Produkte meine, ist ein Lebensmittelmarkt für Obst, das schief wachsen darf, dann sauer geerntet wird, bis zum Verkauf schon schimmelt und darum wesentlich mehr kostet. In Biomärkten kaufen nicht nur Biomarkt­käu­fer ein, über die genug Schmutz und Schande verbreitet wurde, nein, dort arbeiten auch hektik- und glu­tenfreie Biomarktangestellte: Die wachsen krumm, sind nie sauer, und bevor man dran ist, be­ginnt man zu schimmeln, weshalb in Biomärk­ten ganz allgemein ein sehr biologischer Geruch in der Luft hängt. Die Verkäuferzunft des Schnell­schim­mel­obstes muss sich nicht beeilen. Vielleicht gibt es sogar eine Garantie darauf, dass das Obst schon schlecht ist, bevor man den Laden verlässt, damit man auch sicher sein kann, dass man seinen hohen Mitgliedspreis für Birnen, die noch nach Birnen schmecken, nicht umsonst zahlt, denn Schimmel ist ja ein Zeichen von Mangel an Konser­vierungs­stoffen. Aber ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster der Vermutungen lehnen.
Wenn man sich nun als Außenstehender an solche »Horte der gesunden Bummelei in Übereinstimmung« begibt und dem selbst noch nicht gewachsen ist, kann es passieren, dass man durch den Entzug von Konservierungsstoff sehr ungehalten und geradezu bösartig wird. Diese Bösartigkeit muss gar nicht zu Gehör gebracht werden, meis­tens reicht es, den Menschen in der näheren Um­gebung Widerwärtiges zu unterstellen, zum Bei­spiel, dass sie mit Absicht bummeln. Diese mit Ab­sicht bummelnden Menschen werden dann von mir mit fantasievollen Schimpfwörtern bedacht, die sie in diesem nervenaufreibenden Moment auch verdient zu haben scheinen.
Meist verraucht meine Wut so schnell wie gekommen durch einen kleinen Druckregulierungshahn, der an einer dünnwandigen Stelle meiner Psyche kurz negative Energie abpufft. Das klingt kom­pli­ziert, meint aber im Grunde nur, dass ich bei be­tref­fender unliebsamer Person den Preis für die Dinkel-Tofu-Scho­ko­la­de mit Sojamilch erlauschen oder erspähen kann und Häme meine Wut lindert. Oder – das ist noch effektiver – ich sehe den Nach­wuchs, weiß, dass Bio­menschen sehnsüchtig da­rauf warten, dass in irgendeiner Urwald­baumrinde endlich Bio-Ritalin gefunden wird, und schon hat erneut die Häme meine Wut gelindert. Gerade Eltern, die glauben, ihre Kinder seien etwas Hochwertiges, sind bemüht, in diese vermeintlich hochwertigen Kinder auch hochwertiges Essen hineinzutun, damit sich diese Kinder auch weiterhin gut entwickeln, was sie bis dahin aber noch gar nicht getan haben.
Eines dieser Kinder tollte also ungezügelt zwischen den Kunden mit ihren Waren in den Wei­den­körbchen …

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