Warum nennt man deftiges Essen »herzhaft«?

»Es gibt keine aufrichtigere Liebe als die zum Essen«, sagte George Ber­nard Shaw, irisch-britischer Dra­ma­tiker, einmal. Bedeutet »herzhaft« also, dass unser Zentral­organ durch die Liebe zum deftigen Essen in Haft genommen wird? – Eine Anfrage bei verschiedenen Ex­perten brachte hier kein Licht ins Dunkel. Dr. Ed­mund Semler vom Akademischen Forum für Ernährungswissenschaft »Academia Diaetetica« meint: »Ich glaube kaum, dass irgendein Ernährungswissenschaftler spontan eine fun­dierte Antwort darauf geben kann. Es sei denn, er hat sich schon mal mit der Frage­stel­lung auseinandergesetzt und historische For­schung betrieben.«
Professor Jürgen Udolph, Deutschlands be­rühm­­tester Namensforscher, verweist aufs Deut­sche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Band 10, aus dem Jahre 1877, welches immerhin folgende De­finition – wir drucken die Ori­gi­nal­­fassung – ergab: »herz­haft, in Mit­­teldeutschland, nament­lich Dü­rin­­gen und Obersachsen, in bezug auf dinge, die von geschmack leicht sau­er oder bitter sind: das schmeckt herzhaft. man glaubt dasz so schme­­­ckende dinge die lebenskraft stärken (herz I, 3 sp. 1211).«
Das Internet weiß, dass von herzhaftem Essen dann gesprochen wird, wenn Fett der Haupt­geschmacksträger der Speise ist, denn einige Aromastoffe lösen sich nur im Fett und können sich so entfalten. Einen weiteren Ansatz bietet Ja­pan: Hier be­schrieb ein Forscher namens Ki­kunae Ikeda als Erster die Geschmacksrichtung »Umami«, was so viel heißt wie »fleischig und herzhaft«, wohlschmeckend. Dieser Geschmack zeigt dem Körper proteinreiche Nahrungsmittel an. – Wir freuen uns über weitere Erkenntnisse! ■

Autor: Sven Buchien. Der Text erschien in DAS MAGAZIN 12/2012

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