Wie man einen Lokführer wachhält (Heft 12/2012)

Tschtschtschtschtsch – jeder schläft gerne im Zug. Selbst wenn das Zugrattern nicht mehr so romantisch klingt wie früher. Aber es ruckelt so schön. Meine Tochter ist auch immer sofort im Kinderwagen einge­schla­­fen. Oder im Auto. Angeblich schlafen Kinder so gut im Wagen, weil es im Muttibauch auch immer so geruckelt hat. Tschtschtschtschtsch – jeder schläft gern im Zug.
Nur der Zugführer nicht. Denn der darf nicht. Er würde aber gerne.
Man denkt gar nicht genug an Zugführer, während man Zug fährt. Dabei ist das gar nicht so weit entfernt: Zug fahren und Zug führen. Noch dazu, wo er auch Zug fährt, während er Zug führt.

Letztens war ich auf der Geburtstagsfeier meiner Freundin Theresa, die in einem dieser Medien­berufe arbeitet, angewandtes Design oder so, und alle ihre Freunde waren auch aus dieser Sparte. Sie wollen den Menschen helfen, und es soll gut aussehen und leicht zu bedienen sein. Sie bekommen ein Scheißgeld dafür. Diese ganze Party war also voller anspruchsvoller reicher Weltverbesserer.
Sie sagten Sätze wie: Der hjümän Fäctor ist natürlich relevant im Bereich Fehlerminimierung beim Designen eines Function Board, das im Wor­king Process einen gefährlichen Automatis­mus unterbindet … Tschtschschtsch­tschsch – fast war ich eingeschlafen.
Eine dieser angewandten Designerinnen hieß Jana. Sie arbeitet für die Deutsche Bahn im Bereich Arbeitspsychologie. Ihre Aufgabe lautet offenbar, Lokführer noch nachhaltiger vom Schlafen abzuhalten, als es bisher der Fall war. Sie erzählte, dass es einen Knopf gäbe – den »Tote-Mann-Knopf«, bei dem es sich aber eher um ein Pedal handelt –, den der Zugfahrer dauerhaft gedrückt halten muss. Alle 30 Sekunden allerdings ist der Knopf oder das Pedal loszulassen. Wenn der Zugführer das nicht tut, kommt erst ein optisches, dann ein akustisches Signal, dann bremst der Zug von allein ab, weil er davon ausgeht, dass der Zugfahrer nicht handlungsfähig ist. Diese Systeme, so genannte Tot­mann­einrichtungen, sagte Jana, gibt es für unterschiedliche Maschinen in unterschiedlichen Aus­füh­rungen.
»So wie auf dem Klo«, sagte ich, und in dem Moment wussten alle, dass ich nicht so war wie sie. Ich hatte Klo gesagt. Nicht human excremation facility oder so.

 

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